Santa Data

Santa Data

Status: Heilige (Todesursache ungeklärt, Anlass zu Spekulationen)
Gedenktag: 3. März
Patronat: Patronin der Programmierer, Hacker, Netz-Junkies, Computer-Nerds, Datensammler, Informanten, Verschwörungstheoretiker und Internetnutzer aller Länder, der Hightech-Zentren wie Silicon Valley, Bangalore oder Zhongguancun und der Geheimdienstsitze in Fort Meade (NSA), Jassenewo (SWR), Pullach (BND) und anderswo.
Attribute: Aktenberg, DVD-Rohling, Kabel, Fingerabdrücke, Einsen und Nullen
Redensart: „Santa Data, nur Dir mag ich mich offenbaren,
doch was ich zu verbergen hab,
soll niemand sonst erfahren!“

anta Data ist die Patronin der Programmierer, Computerfreaks und Hacker, der Raubkopierer, Datensammler und Spione, der Beamten aber auch der Überarbeiteten. Sie soll bei Problemen mit der GEZ, Schufa oder Infoscore helfen und gut sein gegen Burnout, Internetsucht und Nomophobie (die Angst, für kurze Zeit ohne Mobilfunkempfang sein zu müssen).

Sie wird im Allgemeinen angerufen, wenn es um Datensicherheit, hohe Klickzahlen oder das Erinnern vergessener Passwörter geht. Präventiv wird ihrer gedacht, um Computerabstürzen, Festplattencrashs oder Datenverlusten vorzubeugen und neue Rechner vor Spam-Mails und Trojanern zu schützen. (Heidnische Wissenschaftler warnen allerdings in einschlägigen Foren regelmäßig davor, daß eine Anbetung Santa Datas ein Virenschutzprogramm und regelmäßige Backups nicht ersetzen könne.)

Die typischen Verehrer_innen der Santa Data verbringen täglich mehrere Stunden beim frommen Dienst vor dem Rechner. Es herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, ob man Santa Data bereits automatisch ehrt, wenn man den Rechner hochfährt. Konservative Stimmen meinen, so mache man es sich doch ein bisschen zu leicht.

Santa Data wirkt in alle Bereiche des modernen Lebens und ist deshalb auch eine der beliebtesten und beschäftigsten Heiligen. Vielen Christen gilt sie als die Verkörperung der drahtlosen Verbindung zu Gott. In Fresken und Jpegs wird manchmal dargestellt, wie sie von der Rechnerwolke herunterschaut, sozusagen als Backup in der Cloud. Doch noch viel zahlreicher als in Abbildungen erinnert man sich ihrer in frommen Sprüchen. Manch ein Anhänger etwa bittet die Heilige darum, daß die Wahrheit über ihn niemals via Tweet ans Tageslicht geraten möge: „Santa Data, nur Dir mag ich mich offenbaren, doch was ich zu verbergen hab, soll niemand sonst erfahren!“
Wer eine neue Homepage online stellt oder mal wieder nicht die allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Verträgen im Netz liest, murmelt gerne den Satz: „Und kann es nicht der Anwalt schlichten, mag es Santa Data richten!“
Außerdem führt der rasante Fortschritt der Datenübertragung teilweise zu rechtlicher und moralischer Verwirrung: “Liebe Santa Data, bitte mach, daß sich die Gema mit YouTube einigt!”
Nicht zuletzt sind aber auch Flüche verbreitet wie: „Ach Du Heilige Data!“ Sie ertönen in unerfreulichen Situationen, z. B. wenn einem der Abmahnanwalt eine Rechnung wegen illegaler Downloads schickt, oder wenn an der Spielkonsole der rote Ring des Todes leuchtet.

Vom Leben und Tod Santa Datas gibt es widersprüchliche Versionen. Am verbreitetsten ist die Ansicht, Santa Data sei eine der ersten Hackerinnen gewesen. Mit der Veröffentlichung geheimer Dokumente wurde sie den Regierungen und globalen Konzernen der Welt so gefährlich, daß sie aus dem Weg geräumt werden musste. Es heißt, man habe ihr ein Angebot gemacht das sie nicht ablehnen konnte. Sie habe dennoch abgelehnt.
Diese Santa Data ist die Mutter aller Hacker, Leaker und Blogger. Sie ist die Gallionsfigur aller, die im Sinne von Shareware, Peer-to-Peer und Open Source den freien Zugang zu Informationen fordern. Ihre Webseite bei einem bekannten sozialen Netzwerk wird seitdem von ihren unzähligen Anhängern als Online-Altar genutzt.

Andere behaupten, sie sei nicht mehr als ein raffiniertes Internet-Mem, ein Informatiker-Scherz irgendwelcher Harvard-Studenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, im Netz immer wieder Fundstücke zu posten – vermeintliche Beweise und Anhaltspunkte für ihre reale Existenz. Hierfür spricht auch, daß sich eine Einzelhandelskauffrau aus der chinesischen Provinz Sichuan auf der hier abgebildeten Version der Heiligen wiedererkannt haben will.

Als Gedenktag der Santa Data gilt der 3. März. Zum einen ist dies der Tag ihres letzten Blogeintrags, zum anderen jähren sich an diesem Datum aber auch der Einsturz des Kölner Stadtarchivs und vor allem die Erfindung des World Wide Webs.


[Vielen Dank an Prof. Bronco für die wissenschaftliche Hilfe!]